Zwischen Highheels und Hundehaufen ‒ das Leben als Dog Mom

Part 1: Der Morgenspaziergang

Die Vorstellung, mein Leben mit einem Golden Retriever zu verbringen, war ein absoluter Traum. Lange Spaziergänge im Wald, über Felder und Wiesen ‒ und im Augenwinkel immer diesen wunderschönen, traumhaften goldenen Vierbeiner, dessen Haar vom Wind geküsst wird, leicht fliegend, strahlend und sauber.

Dann kamen Leopold & Bruno und das Leben hat eine andere Wendung genommen. Von nun an war ich damit beschäftigt bei jedem Spaziergang penibel darauf zu achten, ob sich im Umkreis von 10 km eine Gatschlacke befindet und wie ich es schaffe, einen Spaziergang zu überleben, ohne einen Hund an ein vorbeirennendes Reh zu verlieren, während der andere sich in totem Fisch suhlt, von dem ich nicht mal weiß, wo er ihn gefunden hat.

Mein Auto wurde in eine Art Gummizelle verwandelt, die ich über die Jahre kontinuierlich verbessert habe, sodass es möglich wurde, mit zwei vollkommen verdreckten, nassen und stinkenden Hunden von A nach B zu kommen. Ich habe auch gelernt, für einen Spaziergang vor dem Büro mein Outfit mit Bedacht zu wählen. Vor allem in der nassen und kalten Jahreszeit bedeutet das oftmals, zwei Outfits oder einen eigens kreierten Zwiebellook zur Hand zu haben.

 

Aber fangen wir von vorne an. Wenn ich in der Früh aufstehe, liegt zu meiner Rechten ein Leopold und zu meiner Linken ‒ oder direkt auf mir drauf ‒ ein Bruno. Das führt dazu, dass ich, bevor mein Tag beginnt, sämtliche Hundehaare aus meinem Mund entfernen muss und aussehe, als wäre ich selbst eine blonde Fellnase. Alles kein Problem, denn wenn ich dann duschen gehe, habe ich zwei Vorleger, die es mir ermöglichen, akrobatische Übungen am Weg aus der Dusche hin zu meinem Handtuch zu machen. Es bedarf höchster Konzentration und geübter Beine, nicht auf einen der beiden drauf zu steigen oder in hohem Bogen drüber zu fliegen. Es muss ein anstrengendes Leben sein, das die beiden führen, denn vom Badezimmer müssen sie sich in den Vorraum des Kastens schleppen, um auch dort weiter zu schlafen, während ich meine Kleiderauswahl treffe, die zugegebenermaßen früher einfacher war.

 

Heute muss ich daran denken, wo und wann gehen wir spazieren, welche Termine habe ich und welches Kleidungsstück ist noch nicht von oben bis unten mit Hundehaaren voll, von welchen lässt sich der Sabber leicht abwischen und im Falle des Falles, wie würden Gatschflecken darauf aussehen. Im Augenwinkel lächele ich meine High Heels-Sammlung und meine Taschen an, die ich früher gerne getragen habe, aber aufgrund einiger Vorfälle nun einfach als eine Art Museum ansehe.

Ich habe also meinen Look gefunden, eine Hose, die mit meinen Waldschuhen tragbar ist, aber genauso zu meinen schönen Schuhen für den Termin am Nachmittag passt, eine Bluse und darüber ‒ als Schutz ‒ einen Pulli aus dem Jahr 1984, der mit einer Gatschjacke und einer Gatschhose kombiniert wird, um alles zu schützen, damit ich meine Termine erfolgreich absolvieren kann.

Ich habe Glück, denn als Selbstständige habe ich die Möglichkeit, in Notsituationen wieder nach Hause zu fahren und mich umzuziehen, denn man mag es nicht glauben, aber einer meiner beiden Hunde schafft es meist auf dem kurzen Weg von der Wohnungstüre zum Auto und dann vom Auto ins Büro, eine Dreckspur auf mir zu hinterlassen, die man niemandem erklären kann.

Nicht nur einmal habe ich statt eines Taschentuchs ein Gacki-Sackerl oder ein Stück Rinderlunge aus meiner Manteltasche geholt oder vergessen, meine wirklich triefenden Gummistiefel auszuziehen, bevor ich einen Meetingraum betreten habe.

Aber das ist nun eben ein Teil meines Lebens und ich möchte ihn auch nicht mehr missen und keine Geschäfte mit Menschen machen, die sich nicht von ihren Hunden verabschieden, wenn sie den Raum verlassen. Somit haben mich meine zwei Lauser in vielerlei Hinsicht verändert und meine Prioritäten haben sich verschoben.

Dog Moms von heute wissen sich aber zu helfen, so habe ich eine Beltbag, der nicht nur ideal für den Hundespaziergang ist, sondern auch gut aussieht, wenn es zum ersten Termin in der Früh geht. Ich habe auch eine Jacke, die bei Terminen einen guten Eindruck hinterlässt, Feuchttücher in jeder Tasche, im Auto und im Büro, genauso wie eine Magic Brush, um Hundehaare von meiner Kleidung zu bekommen und einen Fleckenentferungsstift, um Sabber schnellstmöglich zu entfernen.

Erst einmal im Büro angekommen, machen es sich die Herren gemütlich und die schwierigste Hürde ist geschafft ‒ bis meine Kollegen und ich beginnen, das Mittagessen zuzubereiten. Aber das ist eine andere Geschichte.